Zur Geschichte von J. G. Herder-Forschungsrat und Herder-Institut e.V.

Der 1950 als akademieähnliche Vereinigung von Geisteswissenschaftlern zur Erforschung der historischen deutschen Ostgebiete und Ostmitteleuropas gegründete Johann Gottfried Herder-Forschungsrat (HFR) legte damals zugleich den Grundstein für das bis 1993 von ihm getragene Herder-Institut mit wichtigen Sammlungen für die Ostmitteleuropa-Forschung. Er regte darüber hinaus die (Wieder-) Begründung von Historischen Kommissionen für die historisch deutschen Landschaften und Siedlungsgebiete im Osten an und bildete innerhalb des HFR Fachkommissionen für einzelne Sachgebiete. Die von diesem "Forschungsverbund" entwickelten Aktivitäten, bestehend aus wissenschaftlichen Veranstaltungen (Tagungen), Forschungsprojekten, Nachwuchsförderung, Herausgabe von wissenschaftlichen Zeitschriften und Reihen, Ausbau des Herder-Instituts u.a.m., wurden zunächst allein vom Bund, seit 1977 von Bund und Ländern finanziert. HFR und Herder-Institut knüpften lange vor der politischen Wende von 1989/90 Kontakte zu Wissenschaftlern, Wissenschaftlerinnen und wissenschaftlichen Institutionen in Ostmitteleuropa, die danach intensiviert wurden. Auf Empfehlung des Wissenschaftsrates wurden HFR und Herder-Institut zum 1.1.1994 rechtlich getrennt; der HFR verlor seine Trägerschaft am Herder-Institut und seine Zuwendungsempfängerrolle für HFR, Herder-Institut und Historische Kommissionen, der Forschungsverbund zerbrach de facto. Der HFR und die sieben „ostdeutschen“ Historischen Kommissionen sind nunmehr zusammen mit anderen Einrichtungen Mitglieder des Trägervereins „Herder-Institut e.V.“ und werden über den Haushalt des Herder-Instituts von Bund und Ländern gefördert. HFR und Herder-Institut pflegen - eingedenk ihrer gemeinsamen Vergangenheit - besondere Beziehungen.

Präsidenten des J.G. Herder-Forschungsrats seit 1950:
Prof. Dr. Hermann Aubin, Historiker (1950–1959)
Prof. Dr. Eugen Lemberg, Soziologe (1959–1963)
Prof. Dr. Günther Grundmann, Kunsthistoriker (1963–1972)
Prof. Dr. Kurt Dülfer, Archivar (1972–1973)
Prof. Dr. Dr. Bernhard Stasiewski, Kirchenhistoriker (1974–1984)
Prof. Dr. Gotthold Rhode, Osteuropahistoriker (1984–1990)
Prof. Dr. Hans Lemberg, Osteuropahistoriker (1990–1996)
Prof. Dr. Dietmar Willoweit, Rechtshistoriker (1996–2002)
Prof. Dr. Klaus Roth, Volkskundler/Ethnologe (2002–2008)
Dr. Andreas Lawaty, Historiker (seit 2008)

Publikationen über den J. G. Herder-Forschungsrat

Fünfunddreißig Jahre Forschung über Ostmitteleuropa. Veröffentlichungen der Mitglieder des J. G. Herder-Forschungsrates 1950–1984. Hrsg. v. J. G. Herder-Forschungsrat, Marburg/Lahn 1985.

Hugo Weczerka: Johann Gottfried Herder-Forschungsrat. In: Erwin Oberländer (Hrsg.), Geschichte Osteuropas. Zur Entwicklung einer historischen Disziplin in Deutschland, Österreich und der Schweiz 1945–1990. Stuttgart 1992, S. 256–275.

Aspekte der Zusammenarbeit in der Ostmitteleuropa-Forschung. Tagung des Herder-Instituts und des J. G. Herder-Forschungsrates am 22./23. Februar 1994. Hrsg. v. Hugo Weczerka. Marburg 1996.

Die Arbeit des Forschungsverbundes Ostmitteleuropa in den Jahren 1990–1996. Historische Kommissionen. J. G. Herder-Forschungsrat mit seinen Fachkommissionen. Hrsg. als Manuskript des J. G. Herder-Forschungsrates. Marburg 1997. 63 S.

Hugo Weczerka: 1950 - 50. Gedenkjahr: Gründung des Johann Gottfried Herder-Forschungsrates und des Johann Gottfried Herder-Instituts in Marburg an der Lahn. In: Ostdeutsche Gedenktage 2000, Hrsg. Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Bonn 1999, S. 384–392.